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Die gebietsfremden weißen Komplementärsorten in der DOCa Rioja

Die gebietsfremden weißen Komplementärsorten in der DOCa Rioja

Schon seit nunmehr fast einer Dekade haben die Winzer der Rioja die Möglichkeit, gebietsfremde weiße Sorten als Cuvée-Partner bei der Bereitung ihrer Weißweine einzusetzen. Bis vor kurzem galt allerdings die Einschränkung, die Trauben nicht auf dem Etikett zu erwähnen. Zudem durfte der Anteil dieser weißen Immigranten in der Assemblage nicht über 49% liegen. Diese Limitierung ist nun vor kurzem von der zuständigen Weinbaubehörde aufgehoben worden, der Einsatz aller zugelassenen Sorten ist den Weinmacherinnen und Weinmachern damit freigestellt und dem Ausbau sortenreiner Gewächse auf der Basis von Chardonnay, Sauvignon blanc und Verdejo steht nun nichts mehr im Wege.

Verdejo

Die weltberühmte spanische Weißweinsorte stammt ursprünglich aus Kastilien und hat am Ebro eine neue Heimat gefunden. Unter den drei nicht in der Rioja beheimateten Sorten, dürfte sich die Verdejo sicherlich am schnellsten an die Terroir-Gegebenheiten der DOCa anpassen. Mit knapp über 300 ha Rebfläche weist sie auch die bedeutendste Verbreitung sowie die stärksten Zuwächse auf.  Dies ist sicherlich ihrer ureigenen spanischen Herkunft zuzuschreiben. Sie gilt als relativ unempfindlich gegenüber hoher Sonneneinstrahlung, kommt mit kargen Böden gut zurecht und zeigt sich auch in puncto Wasserbedarf nicht zu anspruchsvoll. Diese Eigenschaften prädestinieren sie geradezu für einen erfolgreichen Anbau in Rioja, die trockene Rioja Baja eingeschlossen. Ihre Beeren sind mittelgroß, die grünliche Haut recht dick und die Trauben hängen nicht zu eng. Eine ihrer großen Stärken ist ihr intensives Bukett, getragen von reifen Zirusfrüchten, leicht tropischen Anklängen sowie Noten von Fenchel und Lorbeer. Je nach Bodentyp und Alter der Rebstöcke entwickelt sie hohe Extraktwerte, was den Mosten einen bemerkenswerten Glycerin-Gehalt beschert und für einen intensiven Takt am Gaumen sorgt. Trotz ihrer moderaten Gesamtsäure wirken Verdejo-Weine stets frisch und belebend, nicht zuletzt aufgrund ihrer berühmten feinen Bitternote. Über ihre Herkunft ist lange gerätselt worden, und ihrer aus organoleptischer Sicht nicht von der Hand zuweisenden Ähnlichkeit mit der Sauvignon blanc hat Profis aus aller Welt dazu veranlasst, sie in die Nähe der Sauvignon blanc zu rücken. Heutige Erkenntnisse bestätigen die Vermutung, denn genealogisch gesehen gehen beide auf die alte europäische Traminersorte zurück.

Sauvignon blanc

Mit 177 ha Anbaufläche hat die Verbreitung der französischen Sorte eine bislang moderate Entwicklung genommen. Sie erbringt die besten Ergebnisse in weniger extremen Terroirs und hat keine Probleme mit kühleren und feuchteren Rahmenbedingungen. Ihre ausgeprägte Aromatik mit Noten von Stachelbeere und Zitrusfrüchten, ergänzt von grasigen und blumigen Komponenten, macht sie selbstredend zu einem begehrten Cuvée-Partner. In Rioja zeigt sie einen etwas volleren Typus und hat in manchen Weinen eine ungewöhnlich würzig-kräuterige Charakterkomponente entwickelt.

Chardonnay

Ob die Sorte wirklich aus dem gleichnamigen burgundischen Dorf stammt, welches in der Übersetzung „Ort voller Disteln“ bedeutet, ist umstritten. Sicher ist indes, dass dieser Rebenweltenbürger zur meistangebaute weißen Sorte unseres Planeten avanciert ist.  Zahlreiche Winzer in Rioja bekunden ihre Begeisterung für die Traube und prophezeien ihr eine rosige Zukunft.  Die im Gebiet auf 139 ha kultivierte Sorte liebt Kalkböden, und stößt damit an vielen Punkten des Anbaugebietes auf perfekte Bedingungen. Als weich, harmonisch und speziell geprägt von reifer, attraktiver gelber Frucht könnte man die Chardonnay-Qualitäten bezeichnen, die vor dem Cuvetieren bislang zu verkosten waren. Man darf also gespannt sein auf die ersten sortenreinen Rioja-Gewächse dieses weißen Weltstars.