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RIOJA BLOG

Die Glas-Menagerie

oder: Wie viele Weingläser braucht der Mensch?

Den Schrank voller Kleider und nix zum Anziehen: Frauen wissen, wovon ich rede. Mit Gläsern geht es mir so ähnlich. Seit ein paar Jahren ist es ja regelrecht Mode, zu jedem Wein das passende Glas parat zu haben: das Riesling-Glas, das Chianti-Glas, das Tempranillo-Glas, die Champagner-Tulpe, Gläser für roten Bordeaux und weißen Bordeaux, für leicht gereiften Burgunder, für Eiswein und Reiswein, Rebsortengläser von A wie Albariño bis Z wie Zweigelt. Ich gebe zu, auch ich bin ein Fashion-Victim: 13 verschiedene Glasmodelle stehen in meiner Geschirrvitrine, ein regelrechter Glas-Park, alle wunderschön, nur leider auch alle etwas angestaubt, weil ungefähr so alltagstauglich wie Designer-Schuhe mit Acht-Zentimeter-Absätzen. Da sind die riesigen Ballongläser, die die Zahl der Gäste von vorneherein auf vier limitiert, da sonst kein Platz mehr auf dem Tisch ist (diese vier Gäste allerdings sind dank des Glasvolumens am Ende des Abends besonders fröhlich). Ein anderes Modell kostet so viel, dass man sich kaum zu lachen traut, und die preiswerte Alternative macht ihren Vorteil gnadenlos wieder zunichte, indem sie beim Spülen ständig zerbricht.

Natürlich ist die Idee nicht dumm, die Reize eines Weins durch die Glasform zu betonen. Dass das Glas tatsächlich eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung der Aromen spielt, ist kein Werbegag, sondern wissenschaftliche Tatsache und im Selbstversuch leicht nachprüfbar. Füllen Sie einfach mal den gleichen Wein in zwei verschiedene Gläser: ein mittelgroßes, leicht bauchiges, nach oben etwas verjüngtes Modell sowie einen kleinen Kelch mit nach außen gewölbtem Rand. Ideale Füllhöhe: nicht mehr als ein Drittel. Machen Sie nun den Riechtest. Resultat: Im ersten Glas riecht der Wein fruchtig, blumig, würzig, rauchig, erdig, mineralisch – nach Wein eben. Im zweiten Glas riecht er, tja, nach nichts. Bei Demo-Verkostungen hält Georg Riedel, Glashersteller und Pionier der Rebsortenkelche, gerne ein solches Exemplar in die Luft und wettert: «Dieses Glas ist der Tod eines jeden Weins!» Und Recht hat er. Der Grund ist simpel: Duftmoleküle entwickeln sich im Kontakt mit Luft, sind aber flüchtig und büchsen aus, wenn man sie nicht einfängt. Darum braucht es ein ausreichend großes, nach oben enger werdendes Glas mit genügend «Headspace».

Und ja: Glasbläser können Größe, Wölbung und Volumen des Glases in der Tat so gestalten, dass sich die Aromen bestimmter Traubensorten und Weintypen von ihrer Schokoladen-(oder Frucht- oder Vanille-)Seite zeigen. Benötigt man deshalb aber gleich für jeden Wein ein spezielles Glas? Ich wage es zu bezweifeln. Ganz selten hole ich einen Rebsortenkelch aus dem Friedhof der vergessenen Gläser, in der Regel, wenn ich es mit einem besonders widerspenstigen Tropfen zu tun habe – zum Beispiel einem Bordeaux, der eigentlich noch nicht trinkreif ist, was man aber unpraktischerweise meist erst nach dem Öffnen der Flasche weiß. Das richtige Glas kann ein solches Raubein durchaus zähmen. Aber für die allermeisten Weine ist diese Übung, wenn Sie mich fragen, Luxus: kann, muss aber nicht. Rioja-Weine etwa kommen schon aus Prinzip trinkreif beim Verbraucher an und sind bei aller Komplexität nicht so kompliziert, dass sie ein Extraglas bräuchten (der Tempranillo drückt seine frische Frucht, samtige Weiche und ausgewogene Säure zur Not auch in einem Plastikbecher aus – glauben Sie mir, ich hab’s ausprobiert).

Im Alltag kommt bei mir immer wieder das gleiche Glas auf den Tisch, ein ordentliches Modell, das alle wichtigen Kriterien erfüllt und unter zehn Euro kostet. Sozusagen der Turnschuh unter den Weingläsern: passt zu allem, hält ewig, ist pflegeleicht, gar nicht mal unschick und so was von bequem!
 

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