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RIOJA BLOG

Eingebaute Vielfalt

Man hat fast den Eindruck, als würden alle Star-Architekten der Welt, wenn sie nicht gerade Museen in Bilbao, Wolkenkratzer in Mailand oder Bahnhöfe in Zürich bauen, in die Rioja fahren. Sind wahrscheinlich Weinfreaks. Jedenfalls ist die erfreuliche Folge, dass kaum ein anderes Weingebiet so viel eingebaute (im wahrsten Sinne des Wortes) Vielfalt hat wie die Rioja.

Am meisten Publicity bekommt im Moment natürlich die jüngst eingeweihte „Ciudad del Vino“, die „Stadt des Weins“, die Frank O. Gehry in Elciego für die Kellerei Marqués de Riscal gebaut hat. Von außen ist das Ganze sehr guggenheimig, mit gewellten Titanblechen in Erdtönen, die wie Rebtriebe in den Himmel wachsen. Drinnen kann man luxuriös nächtigen, sich im Vinotherapie-Spa in Mostbäder tauchen und mit Traubenextrakten massieren lassen und anschließend – für mich immer noch die beste Vinotherapie – im Restaurant die Weine des Hauses zur Küche von Sternekoch Francis Paniego testen.

Unbedingt einen Ausflug wert also. Trotzdem habe ich persönlich einen anderen Favoriten: Ysios in Laguardia ist für mich die schönste Bodega der Rioja-Avantgarde. Wussten Sie, dass kaum ein Mensch in einem Barrique-Keller widerstehen kann, mit der Hand über die Rundungen der Fässer zu streichen? Mit diesem Bau geht es mir genauso, ich würde am liebsten überall dranpacken. Wie eine einzige organische Wellenlinie aus Holz und Stahl steht er – übrigens tatsächlich von Fassdauben inspiriert – vor dem Hintergrund der Berge und stört trotz aller Spektakularität kein bisschen.

Ebenfalls sehenswert: Bodegas Juan Alcorta in Logroño, entworfen von Ignacio Quemada (hier befindet sich in einem ausgehöhlten Tafelberg der größte Barrique-Keller Spaniens mit 75.000 Fässern und geradezu pharaonischen Holztüren); die von José Marino Pascual realisierten weißen Kuben von Bodegas Darien, ebenfalls in Logroño; der futuristische, einer liegenden Weinflasche ähnelnde Anbau der ultratraditionellen Bodega Viña Tondonia in Haro (Architektin ist die Irakerin Zaha Hadid) oder das neue Kellergebäude im Industrial Style von Bodegas Baigorri, Werk des Basken Iñaki Aspiazu.

Aber nur Design ist auch nix. Und das ist gerade das Tolle in der Rioja: Im Kontrast mit den vielen wunderschön altmodischen Traditions-Bodegas kommen die modernen Schmuckstücke erst richtig zur Geltung.

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